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banner_info_2014_acLetzten Samstag war ich zu Gast auf der Role Playing Convention in Köln, um dort ein bisschen was über Rick Future zu erzählen, und im Zuge des Lesecafés aus Garlyn: Das Schattenspiel vorzulesen.

Das Event war gleichermaßen enttäuschend wie erfolgreich, anstrengend wie aufregend. Eine echte Achterbahn der Gefühle, von der ich euch nun in epischer Breite berichten werde.

Ob ihr wollt oder nicht.

Zu sagen, ich wäre im Vorfeld aufgeregt gewesen, wäre grob untertrieben, denn es ist fast acht Jahre her, dass ich zum letzten Mal so weit für eine Messe gefahren war (nämlich die BuCon in Frankfurt). Darüber hinaus hatten die letzten Dutzend Lesungen alle in Schulklassen stattgefunden, quasi in kontrollierter Umgebung. Eine Messe mit Tausenden von Besuchern ist dagegen schon etwas anderes.

Ich entschied, mir von der Tatsache, dass im Programmheft der RPC falsche Zeiten und ein falscher Inhalt der Veranstaltung angekündigt wurden, nicht meine gute Laune nehmen zu lassen. Und auch als auf der Hinfahrt, einen Abend zuvor, ein Baum durch orkanartige Böen auf die Oberleitung der Bahn stürzte, blieb ich – für meine Verhältnisse – bemerkenswert ruhig.

Kaum in Köln angekommen wurde ich positiv überrascht, als ein S-Bahn-Fahrer sich netterweise bereit erklärte, mich (atemlos und verschwitzt in letzter Sekunde hinzugestiegen) für lau mitzunehmen.

Anschließend kam ich bei meinem Gastgeber für die Nacht unter, was in einem laaaaaangen und trotzdem zu kurzen Gespräch über Lovecraft, Filme und den Stand der Hörspielwelt ausartete. (An dieser Stelle noch einmal besten Dank an P.S. Ich hoffe, das Buch gefällt Dir!)

DSCN0094Buntes Treiben auf der Messe. Alle waren sie da: die Brandybocks und die Boffins,die Stolzfüßens („Stolzfuß!“) und andere.

Am nächsten Morgen war es so weit. Von einem freundlichen Dunkelelfen zum richtigen Eingang gelotst, traf ich mich mit meinem Kumpel Felix Mohring, seines Zeichens Journalist, PR Publisher und selbst Autor, welcher die Lesung auf der RPC erst möglich gemacht hatte. (Von ihm stammen auch die Fotos; besten Dank dafür!) Im Gepäck hatte ich nicht nur mehrere Garlyns zum Verkauf, meinen Signierstift und ein paar schicke RF-Postkarten mit dem Teaser-Motiv von Staffel vier – sondern auch ein ansehliches Rick Future-Video welches Sven Matthias und Tim Gössler extra für die Messe aufgenommen hatten. (Mehr dazu die Tage.)

Kurz darauf wurden wir von einem Messe-Mitarbeiter freundlich begrüßt.
„Wie sieht’s denn mit dem Videobeamer aus?“, fragte Felix.
„Videobeamer?“
„Wir wollten ein Video zeigen.“
„Tja, den hättet ihr vorher anfordern sollen.“
„Ähm, das hatten wir“, sagte Felix. „Mehrere Wochen vorher.“

Möglich, dass ich dem Messemann Unrecht tue, aber ich glaube mich zu erinnern, dass ein Achselzucken alles war, was wir als Antwort ernteten.

Mmmhmm, das fing schon mal gut an!

Egal, nicht drüber nachdenken. Schließlich hatte ich meinen Laptop dabei und konnte das Video im schlimmsten Fall darüber abspielen. Wäre doch gelacht, wenn die ganze Chose ausgerechnet daran scheitern sollte.

Man führte uns durch die hangargroße Halle zum Lesecafé. Dabei handelte es sich um einen raumgroßen Cubicle mit gut hundert Stühlen und einem Podium. Die umgebenden Wände waren kahl und aschgrau – genau die richtige Atmosphäre um es sich gemütlich zu machen!

Vor dem Lesecafé begrüßten uns zwei Messeangestellte, die für den Bücherverkauf zuständig waren. Die beiden waren sehr freundlich und zuvorkommend; sie entschuldigten sich für die chaotische Planung und vor allem dafür, dass es ihnen nicht gelungen war, Exemplare meiner Kenlyn-Bücher vom Verlag zu bekommen. Kein Problem, sagte ich, denn bei dem Verlag hätte mich alles andere auch gewundert.

DSCN0097Tusken Raider heißt jetzt Tusken Twix. Sonst ändert sich nix.

Ich packte also meine Bücher aus, stöpselte den Laptop ein und testete das Mikrofon. So weit, so gut. Inzwischen war es schon nach 10:00 Uhr, was bedeutete, dass die Besucher jeden Moment eingelassen wurden. Was gut war, denn immerhin sollte die Lesung schon um 10:30 beginnen.

In der Zwischenzeit fragten wir nach einem Audiokabel, um den Laptop mit den örtlichen Lautsprechern zu verbinden. Als nach zwanzig Minuten ein Techniker bei uns aufschlug, musste er uns abermals enttäuschen. Als wir subtil andeuteten, dass dies nicht die erste entmutigende Entwicklung des Tages war, lächelte er müde und verriet uns: „Is’ nich’ das einzige, was hier schief läuft.“)

Okay, der Lesungsbeginn rückte unaufhaltsam näher und mein Magen begann – wie immer – Slalom zu fahren. Doch siehe da: so langsam verirrten sich dann auch schon die ersten Menschen ins Lesecafé!

Ehrlich gesagt, ich war überrascht, dass sich tatsächlich ein gutes Dutzend Zuhörer fand. Und sogar die Hälfte davon waren Rick Future-Fans, wie der junge Max und sein Vater, beide Garlyn-Leser der ersten Stunde, wie ich an Max’ Exemplar des Schattenspiels erkannte, welches noch das glanzbedruckte Cover aufwies.

DSCN0082Der jüngste Garlyn-Fan. Gott, ich hoffe, er kann mein Gekrakel lesen!

(„Nur zwölf Leute?!“, fragt ihr schockiert. „War das nicht sehr niederschmetternd?“ Nein. Ich hatte schon Lesungen vor drei Zuhörern gehalten. Ich war also einiges gewohnt. Und bei Lesungen freue ich mich generell über jeden einzelnen Teilnehmer.)

Ich muss mich hier nur noch einmal bei allen Zuhörer für ihre Geduld bedanken. Denn nicht nur, dass mein Laptop entschied, mich im Stich zu lassen, als ich das Video abspielen wollte, auch das Mikro versagte immer wieder, als es darum ging, gegen das Orks-gegen-Zombies-Gebrüll und die generell dröhnende Geräuschkulisse der RPC anzukämpfen. Irgendwie taugen Plastikraumteiler nicht so wirklich als Lärmschätz. Verrückt.
Alles in allem war ich also nicht überrascht, dass drei Zuhörer uns während der Lesung wieder verließen.

Egal, ich gab trotzdem oder gerade deswegen mein Bestes und las aus den beiden ersten Kapitels des Schattenspiels, nachdem ich mit Ach und Krach das Was ist Rick Future?-Video zum Laufen hatte. Irgendwas musste ich richtig gemacht haben, denn hinterher blieben tatsächlich einige Zuhörer da, um eine signierte Ausgabe des Buches zu erwerben. Und das bedeutete mir viel.

DSCN0104So verliebt und schon bei den Sturmtruppen?

Nichtsdestotrotz war ich anschließend erstmal ziemlich ausgebrannt. Tatsächlich hätte ich nichts dagegen gehabt, plötzlich – schnipp! – wieder Zuhause zu sein. Mehr als einmal hörten Felix und ich wie andere ihre Enttäuschung über die Planung der diesjährigen RPC kundtaten. Als ich erfuhr, was bei der vorhergehenden RPC alles richtig gelaufen war, wurde ich ein bisschen neidisch. Man hörte etwas von einem Wechsel der Veranstalter munkeln. Was einiges erklärte.

Egal, eine Flucht von der RPC kam nicht in Frage, immerhin hatte Felix noch ein Video mit Orkenspalter organisiert, welches einige Stunden später stattfinden würde. Und außerdem bestand noch die Möglichkeit, mit ein paar anderen Journalisten und Bloggern ins Gespräch zu kommen – auch wenn die Veranstalter es nicht für nötig gehalten hatten, uns auch nach mehrfachem Nachfragen eine Journalistenliste mit allen Medienvertretern auf der Messe zukommen zu lassen.

So blieb uns nichts anderes übrig, als uns ein bisschen auf der Messe umzutun, und bei all den Paladinen, Spider-Männern, Jokern, Harley Quinns, Master Chiefs, Orks, Elfen, Zwölfen, Boba Fetts, Boba Schlanks und Assassinen gab es auch einigen Schauwert. Wie gut das Essen auf der RPC war, verrät euch der stolze Preis von sieben Euro für einen Vegan-Burger mit einem Durchmesser von sechs Zentimetern. Ein Schnäppchen, sach ich euch!

DSCN0085Familie Fett beim Fotografen. Man beachte das Wookiee-Baby ganz rechts!

Schnell verwandelten sich meine Sorgenfalten in Lachfalten. Das Interview mit Nico Mendrek und Mháire Stritter von Orkenspalter TV hatte mir viel Freude bereitet, ebenso wie das kurz danach anberaumte Interview mit den Jungs von nerdLICH.org (demnächst auf diesem Blog!)

Trotzdem: Als ich dann gegen sechs zum Zug marschierte, wollte ich nur noch ins Bett und schlafen, schlafen, schlafen. (Glücklicherweise wurde mir mein Wunsch nur knappe vier Stunden später erfüllt.)

Das Fazit? Ich glaube, ich wäre beim nächsten Mal lieber Besucher auf der RPC, als Teil des Programms. Es ehrt die Veranstalter, dass sie im Anschluss um ehrliches Feedback gebeten haben, welches ich auch bereitwillig gab. Es gibt … milde ausgedrückt … Raum für Verbesserung, und ich bin sicher, dass sie ihr Bestes geben werden.

An dieser Stelle möchte ich mich auch noch mal bei Felix für seine tapfere und unermüdliche Arbeit entgegen aller widrigen Umstände bedenken. Ebenso geht mein Dank an Teams von Orkenspalter und nerdLICH für die netten Interviews, und alle Zuhörer der Garlyn-Lesung. Die Welt braucht mehr Leute wie euch!