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Lange Zeit war es vergeichsweise still auf diesem Blog. Neue Beiträge trafen – wenn überhaupt – nur kleckerweise ein. Der Grund dafür war – wie immer – das richtige Leben, das mir einen linken Haken in Form des schlimmsten Umzugs aller Zeiten verpasste. Fast anderthalb Monat hat sich das Mistding hingezogen. Anschließend hat es ewig gedauert, bis ich auch nur annähernd so etwas Ähnliches wie Internet in der neuen Wohnung bekam.

Aber genug lamentiert! Der Stegosaurus kann Kung Fu! ist wieder eröffnet!

Und wir beginnen gleich mit einer Sache, die ich viel zu lange aufgeschoben habe: nämlich meinen Besuch beim Krimifestival Tatort Eifel in Daun, gelegen in der Vulkaneifel. (Vielleicht erinnert ihr euch dunkel.)

Ich kann euch sagen, das Ganze war eine interessante Erfahrung, gleichermaßen spaßig – wie irritierend.

Und es endete mit einer Schießerei.

Aber alles der Reihe nach:

Der eigentliche Pitch fand am Donnerstag den 19. September statt – und zwar im beschaulichen Städtchen Daun mitten in der Vulkaneifel. Die teilnehmenden Autoren wurden jedoch gebeten, schon am Dienstag den 17. zu erscheinen, um ein Pitchtraining zu absolvieren. (Mehr dazu später.)

Nils und ich machten uns sogar noch früher auf den Weg, nämlich am Montag – immerhin hatten wir eine nicht unbeträchtliche Strecke zu fahren und wir wollten am nächsten Tag halbwegs ausgeschlafen sein, wenn das Training begann. Wir kamen im Goldenen Fässchen unter, einem urigen kleinen Hotel. Natürlich kamen wir nicht umhin, uns die anderen Gäste genauer anzusehen und uns zu fragen: mag er/sie wohl ein Kollege sein?

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Die Lobby des Goldenen Fässchens. Nicht zu verwechseln mit dem Silbernen Döschen, zwei Blocks weiter.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück ging es dann los: die zweitägige Vorbereitung auf den Pitch.

Ein Pitch ist das Serienkonzept in aller Kürze, mündlich vorgetragen, meistens vor Redakteuren und Produzenten. In möglichst wenigen Worten soll nicht nur vermittelt werden, wer die Hauptfiguren der Serie sind, worum es geht, welche Atmosphäre sich der Autor vorstellt – sondern auch, ob die Folgen einem bestimmten Muster folgen, ob es einen Handlungsfaden gibt, der sich durch mehrere Episoden zieht, wer die Zielgruppe ist – und und und. Das alles vorgetragen in – optimalerweise – drei bis vier Minuten.

Keine leichte Übung, zumal wenn man als Autor viel über seine Figuren und ihre Welt zu erzählen hat.

20130918_095525So mag das deutsche Fernsehen Autoren am liebsten: abwesend.

Glücklicherweise hatten wir mit unserer Trainerin Sibylle Kurz eine absolute Meisterin des Fachs an unserer Seite. Sibylle bietet seit Jahren Workshops und Trainiungskurse für Pitches an, außerdem hat sie ein sehr nützliches Buch zum Thema geschrieben.

Bei ihr fühlten wir uns ziemlich gut aufgehoben. Und wir haben die eine oder andere Lektion in Demut gelernt, denn durch unsere bisherigen Pitcherfahrungen fühlten wir uns einigermaßen firm in dem Metier.

Pustekusten!

Am Ende hatten wir das Gefühl NICHT DAS GERINGSTE zum Thema gewusst zu haben, so viel gab es zu lernen. Zum Glück.

Ihr kennt vielleicht das Sinnbild vom Bildhauer und seiner Statue: die Statue war schon immer in dem Steinblock, er musste nur jedes überflüssige Stück wegmeißeln um sie freizulegen.

Ähnlich war es mit dem Pitchtraining: jedes überflüssige Worte wurde gestrichen und alle Worte, die übrig blieben, wurden doppelt und dreifach abgeklopft; es wurde ständig nach besseren, stärkeren Begriffen gesucht. („er kämpft“ ist besser als „er bemüht sich“.) Gleichzeitig waren wir Autoren gezwungen, uns wieder und wieder zu fragen: was ist der Kern meiner Idee? Was macht meine Serie aus? Was ist zuviel erzählt, was zu wenig?

Natürlich hatte jeder Stoff seine ganz eigenen Herausforderungen: eine „Crimedy“ (Unwort des Jahres … ALLER ZEITEN) wird anders präsentiert als ein ein todernster Thriller. Schon im Pitch sollte klar werden, wie man sich die „Tonalität“ der Serie vorstellen sollte. (Noch ein Unwort – glaubt mir, das deutsche Fernsehen ist voll davon.)

Besonders schön war es, während des Trainings andere Autoren wie Melanie Raabe, Heiko Zupke, Robert Hummel, Yves Hensel (nicht verwandt oder verschwägert mit Nils) und Andreas Cordes kennenzulernen – und mit ihnen Veteranengeschichten aus der Knochenmühle namens deutsches Fernsehen auszutauschen.

(Was viele von euch noch nicht wissen: 2007 hatten Nils und ich das Konzept für eine andere Krimiserie an das deutsche Privatfernsehen verkauft. Was folgte, waren sieben absurde, schmerzhafteund hirnzermalmende Monate, die mich heute noch manchmal schweißgebadet aufwachen lasen. Vielleicht erzähle ich euch eines Tages davon.)

Zwei Tage lang feilten wir an unserem Pitch gefeilt, dass die Späne flogen. Auch am Vormittag des nächsten Tages ratterten wir das Ding rauf und runter, änderten Sätze, strichen Wörter. Irgendwann war das Ding in unsere DNS eingebrannt.

(Ich möchte nicht zu viel zu der Story verraten – aus Gründen, die bald offenbart werden. Aber die Prämisse war: „Stell Dir vor, Dirty Harry kommt ins Altersheim.“)

Dann war der große Moment gekommen: der Pitch stand bevor, vor einer Jury aus Film- und Fernsehschaffenden, mit einem Publikum aus Vertretern der selben Branche.

Nils und ich hatten darum gebeten, gleich als erste zu pitchen – in der Hoffnung, dass wir damit am ehesten hängenbleiben, wenn die Aufmerksamkeit von Publikum und Jury am größten ist.

Wir bekamen jeder ein Mikro in die Hand, alle Augen (und Ohren) waren auf uns gerichtet und …

… hier ist der beste Moment für einen Cliffhanger. Aber keine Sorge: nächste Woche geht es weiter!