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Alles begann mit einem Traum…

Halt, falsches Projekt!

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr genau, worin die Ursprünge des Mitternachtsdetektiven liegen. Ich glaube, ich wollte eine Geschichte mit Film Noir-Anleihen schreiben, gemixt mit übernatürlichen Elementen. Doch allzu ernst sollte sich das Ganze nicht nehmen. Der Protagonist sollte einer von uns sein, kein hartgesottener Sam Spade-Verschnitt. (Sorry, Sam, ist nichts Persönliches.)

Heute kommt es mir vor, als wäre Kai Hellmann schon immer da gewesen:

Kai ist Privatdetektiv. Und ein ziemlich guter obendrein. Sein Problem ist nur: Seine Klienten sind Vampire, Werwölfe, Ghouls, Gespenster und Drachen – all die Geschöpfe, die wir für Mythen halten, und die unerkannt mitten unter uns leben.

Kai ist durch einen Zufall in diesen illustren Kreis geraten und nun scheint es für ihn keinen Weg mehr zurück zu geben. Dabei wünscht er sich nichts sehnlicher als einen stinknormalen Klienten – denn ehrlich gesagt sind ihm seine bisherigen Arbeitgeber mehr als nur ein bisschen unheimlich.

Trotzdem: Job ist Job und die Vertreter der Nachtvölker zahlen gut. Mitgehangen, mitgefangen.

Das Setting und vor allem der Charakter boten Raum für jede Menge Kriminalgeschichten im übernatürlichem Gewand, gewürzt mit (trockenem) Humor. Außerdem war Kai eine nette Abwechslung zu der Legion von Dämonenjägern, die sich in der Hörspielwelt tummeln. (Ein paar davon hatte ich selbst ins Rennen geschickt.) Tatsächlich sind Vampire und Konsorten in der Welt des Mitternachtsdetektivs auch nur Menschen wie Du und ich, die einfach nur über die Runden kommen wollen.

Ich klemmte mich also hinter die Tastatur und schrieb die erste Geschichte um Kai Hellmann, den Mitternachtsdetektiv als Hörspielskript für das Label Pandoras Play. Unter Wölfen hieß sie und sollte der Auftakt für eine neue Serie werden.

Das war im Jahre des Herrn 2004.

Die Aufnahmen für das Hörspiel sind seit Urzeiten im Kasten – mit keinem Geringerem als Comedian Hennes Bender als Kai Hellmann, sowieSabine Kuse, Katja König, Karen Schulz-Vobach, Elga Schütz und vielen anderen in den weiteren Rollen.

Und wo bleibt das Hörspiel? fragt ihr.

Gute Frage.

Soweit mir bekannt ist, krankt es immer noch an der Frage, wer das Hörspiel produzieren soll. Zu Beginn hatte ich noch überlegt, dies selbst in die Hand zu nehmen, bin dann aber davon abgekommen (mangelndes Talent für diese Art von Arbeit hatte eine Menge damit zu tun). Danach wanderte das Projekt von Produzent zu Produzent, ohne dass es nennenswerte Fortschritte gab.

Auch sollte – so wurde entschieden – der Mitternachtsdetektiv keine eigene Serie werden, sondern seine Abenteuer immer wieder mal im Rahmen der Reihe Hörgespinste erscheinen.

Frustrierend? Ihr macht euch keinen Begriff.

Wie viele andere meiner Projekte, die mir am Herzen liegen, blieb mir der gute Kai auch in den kommenden Jahren immer gegenwärtig. Ich schrieb sogar ein Mitternachtsdetektiv-Drehbuch (von den Produzenten als witzig und spannend gelobt, aber: „Wer zum Teufel soll das bezahlen?!?!“)

Und während all dieser Zeit wurde es immer unwahrscheinlicher, dass Kais erstes Abenteuer jemals das Licht der Welt erblickte. Was mir sehr leid tat: Hennes Bender war fantastisch als Kai und ich glaube, er hatte jede Menge Spaß an der Rolle.

Projekte kamen, Projekte gingen. Und Kai Hellmann wartete immer noch auf seinen Einstand.

Und wie das so ist im Leben: Die naheliegendste Lösung immer die, auf die man als letztes kommt. Plötzlich war da ein radikaler Gedanke:

Warum nicht der Mitternachtsdetektiv als Roman?

Natürlich!

Sofort kramte ich das Skript zu Kais allererstem Abenteuer wieder aus der Schublade und begann zu lesen.

Acht Jahre waren vergangen, seit ich es geschrieben hatte. In acht Jahren war eine Menge geschehen und ich hatte eine Menge dazu gelernt – als Autor und als Mensch.

Aber ich mochte das Skript immer noch: Die Geschichte genauso sehr wie den Protagonisten. Nur: würde der Wechsel von einem Medium ins andere funktionieren? Würde das Buch überhaupt lang genug sein oder über Kurzgeschichtenumfang nicht hinaus kommen? Immerhin hatte das Hörspielskript nur 35 Seiten, was laut meinen Erfahrungen nur etwas über 40 Minuten Laufzeit sein würde.

Es gab nur eine Möglichkeit, das herauszufinden.

Und ja, ich glaube, es funktioniert. Sehr gut sogar. Nicht auf eine Laufzeit achten zu müssen, oder an Dinge wie ein Budget oder Casting zu denken (wobei Kai in meinem Kopf immer noch Hennes’ Stimme hat), gab mir die Möglichkeit, Aspekte der Geschichte zu beleuchten, für die vorher kein Platz gewesen war. Ich konnte mehr auf Kais Vergangenheit eingehen; die Dinge, die ihn zu dem Mann gemacht haben, der er ist. Und ich hatte eine Menge Spaß dabei.

Kurzum: Die Romanfassung von Der Mitternachtsdetektiv: Unter Wölfen ist inzwischen fertig. Gerade wird das Skript lektoriert. In den kommenden Wochen werde ich immer wieder Leseproben der ersten Kapitel posten, zusammen mit dem Klappentext und natürlich auch dem Cover.

Erscheinen soll das Buch – wenn es keine Komplikationen gibt – pünktlich zu Weihnachten als Taschenbuch und eBook. Der Zeitpunkt könnte nicht passender sein, spielt Kais erster Fall doch auch kurz vor Heiligabend.

Wer weiß? Vielleicht erblickt die Hörspielfassung doch noch irgendwann das Licht der Welt. Aber bis dahin habt ihr hoffentlich euren Spaß mit den Abenteuern des Kai Hellmann in Prosaform.

Also dann: ich halte euch auf dem Laufenden!