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Einmal mehr kamen die Fans zur Hilfe, nun ist es endlich soweit: Tiamat und Abaddon, die letzten beiden Folgen von Das dunkle Meer der Sterne, sind auf dem Weg ins Presswerk und werden demnächst erscheinen. Das nahm ich mir zum Anlass, den Werdegang der Serie Revue passieren zu lassen.

Ich würde mich freuen, wenn ihr mich dabei begleitet.

Es heißt, die Reise sei wichtiger als das Ziel.

Mag sein. Sicher ist nur: Diese Reise hat eine sehr lange Zeit gedauert.

Fast neun Jahre – neun Jahre! – ist es her, als ich gerade mit dem Hörspielmachen begonnen hatte. 2003 gab es von Grüße aus Gehenna, meinem ersten produzierten Hörspiel, nur eine längere Hörprobe. Aber die war anscheinend beeindruckend genug, dass das Label Pandoras Play sich bereit erklärte, die Serie zu veröffentlichen.

Davon ermutigt, erzählte ich dem Label von einer anderen Hörspielidee, die mir schon seit einiger Zeit im Schädel herumspukte. Dabei ging es um ein junges Mädchen, über zweitausend Jahre in der Zukunft, auf der Suche nach seinem Großvater…

Schreib! sagte das Label. Und ich schrieb. Es war der 1. November 2003.

Die erste Folge von Das dunkle Meer der Sterne entstand in Windeseile. Ich sandte das Skript per Mail an das Label. Dann begann Das-Große-Warten-Und-Zittern ™.

Was, wenn ihnen das Skript nicht gefällt?

Wenn die ganze Mühe umsonst war?

Ich wollte doch die Geschichte unbedingt zu Ende erzählen!

Dann endlich kam das grüne Licht. Ihr könnt euch vorstellen, wie ich erstmal tief durch geatmet habe.

Danach ging es zurück an die Tastatur. Von Ende 2003 bis Juni 2004 entstanden die restlichen sieben Skripte von Das dunkle Meer der Sterne, fast in einem Rutsch. Ich kann mich nur an eine größere Pause erinnern, zwischen Daedalus, Teil 2 und Sanctuary. Ein kurzes Luftholen, bevor es in großen Schritten aufs Finale zuging.

Ich plane meine Geschichten gerne im Voraus. Das heißt, ich weiß recht genau, was wann passiert. Trotzdem war das Schreiben der Skripte auch für mich ein Abenteuer, denn Kim, Käpt’n Moon und Vimana entwickelten ziemlich schnell ein Eigenleben, wurden mitunter richtig störrisch. Was natürlich das Beste ist, was einem Autoren passieren kann.

Einer der schönsten Nebeneffekte beim Hörspielmachen war für mich immer die Tatsache, dass man vielen wunderbaren, talentierten Menschen begegnet. Das war bei Das dunkle Meer nicht anders.

Katja König, alias Kim Hunter, kannte ich zwar schon zuvor, aber das hat die Zusammenarbeit mit ihr nicht zu einem weniger großen Vergnügen gemacht. Gleiches gilt für Sabina Kuse, alias Vimana, und unseren Erzähler Andreas Bötel. Bernhard Selker, den einzigen, wahren, echten Käpt’n Moon, lernte ich erst bei den Aufnahmen kennen: Ein Gentleman alter Schule, mit unglaublicher Arbeitsethik. Ich hätte mir keine bessere Besetzung für sie alle wünschen können. Und bald kam Zuwachs:

René Dawn-Claudes Stimme hörte ich das erste Mal bei einem anderen Hörspiel, das ich für meinen Kumpel Horst Kurth von der Hörfabrik schrieb: ADF-Rookies. Ich konnte zwar bei den Aufnahmen nicht dabei sein, doch als ich später das fertige Hörspiel hörte, fiel mir Renés Stimme sofort auf. Er war der perfekte Jeremy.

Dann sind da noch so viele andere: Stephanie Harrer, Nientje Schwabe, Kathrin Reinhardt, Elga Schütze, Tilmar Kuhn, Heinz-Dieter Vonau, Stephan Globisch und viele weitere Sprecher, die die Aufnahmen immer zu einem Vergnügen gemacht haben.

(Eine kleine Info am Rande: Damals erlaubte es unsere Aufnahmesituation, dass wir Katja, Sabine und Bernhard gleichzeitig ans Mikro holen konnten. Ein Großteil ihrer Dialoge in den Folgen eins bis vier wurden von den dreien IN EINEM TAKE gesprochen! Leider haben wir diesen Luxus heute nicht mehr; schade, denn ich vermisse dieses Aufnehmen-im-Ensemble.)

Dann fehlt natürlich noch der Mann, der all die Einzelteile erst zum Großen Ganzen zusammen gefügt hat und dessen Beitrag zu der Serie nicht hoch genug geschätzt werden kann:

Marcel Schweder.

Ich schrieb damals im Skript der allerersten Folge:

„ERÖFFNUNGSMUSIK:
Sanft, melodisch: ein kleiner Vorgeschmack auf die sprichwörtlichen „unendlichen Weiten“ die uns jenseits der Sternstraße erwarten.“

Marcel kam, sah und übertraf all meine Hoffnungen (und hörte danach nicht mehr damit auf.) Auch heute noch pfeife ich manchmal die Titelmusik von Das dunkle Meer vergnügt vor mich hin.*

Das Original-Theme aus Ad Astra

Marcel steuerte nicht nur den großartigen Soundtrack zur Serie bei, er zeichnete auch für die Geräuschkulisse verantwortlich. Auch hier hätte ich mir keinen besseren Mitstreiter wünschen können. Jedes Mal, wenn er mir eine fertige Folge zusandte, gab es für mich Grund zum Feiern.**

… was das Warten auf die nächste Folge nur noch härter machte. Die Aufnahmen für alle acht Episoden waren schon seit einiger Zeit im Kasten, trotzdem gab es immer wieder unvorhergesehene Verzögerungen und Rückschläge, so dass die Serie nur mit schneckengleicher Langsamkeit voran schritt. Aus Monaten wurden Jahre und aus Jahren fast ein Jahrzehnt.

Neun Jahre. Eine lange Zeit. So vieles ist zwischendrin passiert: Drei Umzüge, zwei Beziehungen. Die Wandlung vom Hundehasser zum Hundefreund. Seit dem letzten Punkt im Skript von Abaddon habe ich an Dutzenden anderen Hörspielen und Projekten gearbeitet.

Trotzdem hat Das dunkle Meer der Sterne immer einen festen Platz in meinem Herzen gehabt. Autoren vergleichen ihre Projekte manchmal mit Kindern – und da ist etwas Wahres dran. Man geht schwanger mit ihnen, bringt sie zur Welt, gibt ihnen alles Gute mit auf den Weg, zu dem man fähig ist. Dann, irgendwann, lässt man sie los, lässt sie auf eigenen Beinen stehen.

Ich hab die Serie oft mein „Baby“ genannt. Das ist heute noch so wahr wie damals.

Ich kann euch kaum beschreiben, was für ein Gefühl es war, nach all den Jahren die letzte Folge zu hören. Den Epilog, der mir immer noch gleichzeitig die Tränen in die Augen treibt und ein Lächeln auf die Lippe zaubert.

Es ist eine seltsame, bittersüße Erfahrung, nun auf die Serie in ihrer Gänze zurückzublicken.

Süß wegen der schon genannten Menschen, die die Abenteuer von Kim und Moon lebendig gemacht haben. Sie alle haben großartige Arbeit geleistet, wofür ich ihnen ewig dankbar bin. Die Kritiker waren immer sehr freundlich zu der Serie und ich glaube, das liegt zu einem Großteil an ihren Leistungen. Süß auch wegen der Fans, die Kim und Co. trotz aller Widrigkeiten die Treue gehalten haben und dafür sorgten, dass ihre Geschichte überhaupt abgeschlossen werden konnte.

Aber warum dann bitter?

Als ich Das dunkle Meer der Sterne schrieb, war ich zarte dreiundzwanzig. Ich hatte bereits Geld mit dem Schreiben verdient, sogar ein Stipendium dafür erhalten. Aber es gab noch so vieles zu lernen. (Was natürlich in diesem Job niemals aufhört. Wie in jedem anderen auch.) Und neun Jahre geben einen schon etwas Abstand zur eigenen Arbeit.

Es gibt viele Momente in der Serie, bei denen ich denke: Das passt. Das rockt.

Aber auch viele Instanzen, in denen ich denke: Das passt nicht. Das könnte noch mehr rocken. Und immer wieder drängt sich das Unvermeidliche Das würde ich heute gaaaaanz anders schreiben! auf.

Glücklicherweise überwiegen die Momente der ersten Art. Ich glaube, alles in allem ist eine schöne, runde Geschichte dabei herausgekommen. Und auch wenn ich oft Schwierigkeiten habe, ältere Texte von mir zu zu lesen, kann ich mich dank Leuten wie Katja, Sabine, René, Bernhard, Marcel und allen anderen zurück lehnen, ins dunkle Meer eintauchen und die Reise von Anfang bis Ende genießen.

Aber ist es wirklich das Ende?

Gute Frage.

Ich glaube, ich verrate nicht zuviel, wenn ich sage, dass der letzte Satz der Serie der erste Satz eines Hörspieldreiteilers namens Moon ist, in dem wir die Jugendabenteuer des Käpt’ns beleuchten.

Natürlich gibt es auch Ideen für weitere Abenteuer nach Abaddon. Es gibt Tausende neuer Welten dort draußen, die nur darauf warten, von Vimana Besatzung entdeckt zu werden. Und natürlich eine sehr alte Welt. (Kleiner Tipp: ihr Name reimt sich auf Pferde.)

Es existieren schon Skripte für die ersten beiden Folge von Das dunkle Meer der Sterne: Staffel 2. Ob sie allerdings jemals zu Hörspielen gemacht werden – wer weiß? Das ist im wahrsten Sinne des Wortes Zukunftsmusik. Für den Augenblick freue ich mich sehr, dass Kims (erste) Reise nun ihren Abschluss findet und ich das Serienfinale mit euch teilen kann.

* Vielleicht beglückt uns Marcel  ja mal mit einer „Extended Version“ des Themes?

** Noch eine kleine Rand-Info: Trotz langjähriger Zusammenarbeit und der unheimlichen Fähigkeit, die Sätze des anderen zu beenden, haben Marcel und ich uns noch kein einziges Mal persönlich getroffen. Wir planen es schon seit langer Zeit, aber die Welt hatte andere Pläne.